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2. Dezember
Am nächsten Morgen weckte die Elfen das leise Klirren von Futterschüsseln und das Rascheln von Futterbeuteln. Über die Finca legte sich ein silbriger Schimmer – die Sonne war eben erst aufgegangen.
„Kommt“, sagte Anela, „heute möchte ich euch eine besondere Katze zeigen. Sie hat schon viel erlebt und wartet noch immer auf die Menschen, die ihr Herz öffnen.“
Sie führte Sean und Lyra zu einem ruhigeren Bereich der Anlage. Dort, in einem sonnendurchfluteten Gehege, saß eine schwarz-weiße Katze. Ihr Fell glänzte, doch ihr Blick wirkte vorsichtig, fast abwägend. Zwei große, grüne Augen verfolgten jede Bewegung – wachsam, aber auch voller Neugier.
„Das ist Jenny“, „Man hatte sie aus der Wohnung bei einer Räumung beschlagnahmt und sie sollte getötet werden.“, erklärte Ana, die gerade hinzugekommen war. „Sie saß einst zitternd und frierend in der Perrera, gemeinsam mit drei anderen Katzen. Für Katzen ist so etwas ein tiefer Schock – sie verlieren alles, was ihnen vertraut ist. Viele Menschen unterschätzen, wie feinfühlig Tiere sind. Sie verstehen nicht jedes Wort, aber sie spüren Angst, Trauer und Verlust sehr deutlich.“
Jenny rührte sich nicht, doch ihre Ohren zuckten, als Anela sich behutsam näherte. Die kleine Elfe setzte sich in einigem Abstand auf den Boden, sprach leise und freundlich: „Du bist stärker, als du glaubst, kleine Jenny. Dein Leben hätte fast geendet, doch du hast eine zweite Chance bekommen. Und auch wenn du manchmal denkst, niemand sieht dich – wir sehen dich. Du bist nicht unsichtbar.“
Ein paar Herzschläge lang herrschte Stille. Dann machte Jenny einen vorsichtigen Schritt nach vorn. Ihr Blick blieb wachsam, aber in ihren Augen glomm ein Funken Neugier. Ana lächelte: „Ja, sie braucht Geduld. Aber sie ist eine soziale Katze, freundlich zu anderen Tieren und voller Lebenslust. Nur hat ihr noch niemand gezeigt, dass Menschen auch verlässlich und liebevoll sein können.“
Sean kramte nachdenklich in seinem kleinen Notizbuch. „Das heißt, Jenny wartet eigentlich nur auf jemanden, der ihr Zeit schenkt – und Vertrauen.“
„Genau“, nickte Anela. „Viele Katzen wie sie werden übersehen. Schwarz-weiße Katzen gelten als ‚gewöhnlich‘, und wenn sie sich anfangs auch noch zurückhalten, fällt der Blick lieber auf andere. Doch gerade in den stillen Katzen schlummern oft die größten Schätze. Man muss nur den Mut haben, hinzusehen.“
Jenny setzte sich wieder, doch ihre Augen verfolgten Anela ununterbrochen. Fast wirkte es, als hätte sie verstanden, dass man von ihr sprach.
Die Sonne stieg höher und warf goldene Strahlen ins Gehege. Anela wandte sich an ihre Gefährten:
„Die Botschaft dieses Tages lautet: Viele Katzen brauchen Zeit, um Vertrauen zu fassen. Wer Geduld hat und sie in ihrem Tempo ankommen lässt, schenkt ihnen die Sicherheit, die sie ihr Leben lang gesucht haben. Aufgeben darf keine Option sein.“
Ana nickte zustimmend. „Genau das ist es. Mit Geduld wird aus Skepsis Nähe – und aus Nähe Liebe.“
Und als ob Jenny dem zustimmen wollte, erhob sie ihre Stimme zu einem leisen, fragenden Miauen – ein kleiner Klang, der mehr versprach als tausend Worte.

Jenny wünscht frohe Weihnachten: Jenny
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