Sieben-Katzenleben e.V.

Soraya

2. Dez­ember

Soraya putzte sich gerade genüßlich das Fell in der Wintersonne, als sie ein leichtes Flimmern und Sirren direkt vor sich bemerkte.

Sie stoppte ihre Putzerei und schaute sich das Schauspiel an. Vor ihr materialisierten sich aus einer rosa Glitzerwolke zwei Mini-Wesen – sie waren sogar noch kleiner als sie selbst.

Anela schaute überrascht auf ihre Liste. Hier musste ein Fehler vorliegen. Soraya war eine bildschöne Russisch-Blaut-Mix-Katze.

Anela drehte sich um und schaute, wer denn vielleicht eher Besuch von ihnen erwarten könnte. Sie sah Lazáro und Alena eng aneinander geschmiegt beieinander liegen, dazu lagen noch Agnes, Corvette, Maxine, Lahja und Oskar in der unmittelbaren Nähe.

Sie waren alle getigert oder schwarze Kätzchen, daher glaubte Anela, dass sie dringender waren. Sie stellte Sean und sich vor.

„Hmm“, meinte Alena, „wir sehnen uns alle nach einem schönen kuscheligen Zuhause. Und hier gibt es viele Katzen, die dringend sind, wie unsere Handicat-Freunde Weide, Anima oder Soraya.

Aber Lahja, Corvette, Agnes, Maxine, Lazáro und ich haben unspektakuläre Farben, wir warten teilweise auch schon recht lange und dazu sind einige von uns dazu auch Menschen gegenüber sehr vorsichtig. Das macht uns nicht zu den beliebtesten Katzen.“

Sean nickte verständnisvoll und Anela erwiderte: „ Ok, ich verstehe.“ Sie wandte sich an Soraya: „Warum bist du denn dringend? Was ist dein Handicap?“ Soraya schaute betreten zu Boden.

Sie fragte leise und verunsichert: „Muss ich euch das wirklich sagen? Das ist mir ein bisschen peinlich und unangenehm. Das ist wirklich keine schöne Sache. Aber ich kann es leider nicht ändern. Ich versuche es zu traininieren und es zu verbessern, aber es klappt einfach nicht. Es passiert mir doch immer wieder mal.“

Anela schaute Soraya mitfühlend an und legte ihr eine Hand auf das Fell. „Liebe Soraya, das mag ich dir gerne glauben. Aber was ist denn dein Problem?“

Soraya seufzte laut auf: „Das ist so schlimm. Ich kann meine Schließmuskeln nicht richtig kontrollieren. Ein böser Mensch hat mir als Baby heftig am Schwanz gezogen und seitdem habe ich dieses unschöne Problem. Ich kann einfach nicht mehr kontrolliert Urin und Kot absetzen. Manchmal schaffe ich es in die Toilette, aber manchmal merke ich es auch einfach nicht und dann verliere ich es, wo ich gerade stehe oder liege.“

Soraya schwieg betrübt. Anela und Sean schauten sich betroffen an. Durch einen Gewaltakt hat diese zutrauliche Schönheit so schwerwiegende gesundheitliche Folgen zu tragen. Das war schon eine traurige Geschichte.

Sie fingen an, Soraya zu streicheln und zu kraulen, diese genoss die Aufmerksamkeit sichtlich. Sie schnurrte laut: „Es wäre so schön, wenn eine Familie über diese Probleme hinwegsehen und mich trotzdem adoptieren und lieben würde. Ich bin ansonsten ganz unkompliziert. Ich mag andere Katzen und Kater, ich mag Menschen. Ich spiele auch total gerne, aber Ana hat dafür zu wenig Zeit. Daher wäre es wirklich toll, wenn ich eine Familie finden würde, die mich auspowert und bespaßt.“

Sean nickte. „Ja, du wirkst wirklich total unkompliziert und liebenswert. Wir werden deine Geschichte mitnehmen und dich vorstellen. Bis dahin alles Liebe und nicht die Hoffnung aufgeben! Frohe Weihnachten, Soraya!“

Sean drückte Soraya einen Kuss auf die Stirn und Anela umarmte Soraya feste, ehe die beiden Weihnachtselfen wieder in ihrer rosa Glitzerwolke mit leisem Flirren entschwanden.

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