Sieben-Katzenleben e.V.

Abebi
Abiola

4. Dez­ember

Die kleine Abebi kuschelte sich eng an ihr Brüderchen Abiola. Sie fror so fürchterlich und zitterte. Es war so furchtbar kalt und es war ganz anders als vor ein paar Monaten, als man es vor Hitze kaum aushalten konnte. Dies war ihr erster Winter und sie verstand einfach nicht, wieso ihr auf einmal so kühl war.

Doch plötzlich merkte sie, wie ihr warm wurde. Sie hörte dazu ein leises Klirren. Neugierig steckte sie ihr zartes Näschen in die Luft und schnuppert. Da sie blind war, konnte sie die Weihnachtselfen Sean und Anela nicht sehen.

Aber sie merkte doch, irgendwas war anders als noch vor ein paar Sekunden. Sie stupste Abiola an, der einfach den Winter verschlafen wollte wie ein Igelchen.

Ihr Bruder gähnte herzhaft und knurrte: „Was ist denn jetzt schon wieder los? Mir ist so schrecklich kalt, wenn ich wach bin. Lass mich doch einfach schlafen.“ Doch Abebi erwiderte: „Irgendwas ist anders, das merke ich. Aber ich weiß nicht, was es ist.“

Da räusperte sich Anela und sagte: „Hallo, wir sind Sean und Anela, die Weihnachtselfen. Wir besuchen die Katzen von Ana und hören uns ihre Geschichte an und suchen dann für sie das perfekte Zuhause.“

Abiola war plötzlich hellwach: „Ein eigenes Zuhause?! Du meinst, wo man nicht friert, wo immer genug zu futtern da ist und wo man vielleicht auch mit uns spielt und uns beschmust?“ Er staunte.

Abebi quietsche: „Wow, das wäre zu schön, und wahnsinnig aufregend.“ Doch dann wurde sie still und sah sehr traurig aus: „Aber wer sollte schon zwei blinde Kätzchen aufnehmen und sie liebhaben? Die meisten Menschen ertragen unseren Anblick nicht und drehen sich angewidert und erschrocken weg, meinte Ana. Nein, bestimmt werden wir dieses Glück nicht haben und stattdessen eher bald unserem Schwesterchen Little Baby folgen, die wenige Tage nach unserer Rettung verstarb. Sie war einfach zu krank und zu schwach.“

Abebi und Abiola seufzten laut auf. Anela sah deutlich, wie sehr die beiden Geschwister aneinander hingen und wie wichtig es war, dass sie gemeinsam eine Familie finden würde. Gerade ihre Geschichte machte sie sehr betroffen. Sie waren auch einfach zu jung, um so hoffnungslos und traurig zu sein.

Anela wünschte sich, sie könnte jetzt sofort etwas für die beiden Kleinen tun und ihren Kummer mildern. Ihnen echte Hoffnung geben, ihnen ein Zuhause in naher Zukunft in Aussicht stellen. Doch auch sie wusste, dass es schwierig war. Die Zeiten waren sehr hart und viele Tiere landeten aktuell auf der Straße und im Tierheim, da sich viele Menschen ihre Tiere nicht mehr leisten konnte. Sean wirkte auch sehr betrübt und geknickt.

Doch dann hatte er eine Idee und flüsterte Anela etwas zu. Diese nickte langsam und ihr Gesicht hellte sich zusehends auf. Sie holte die Weihnachtskugel hervor, die langsam von rot zu grün ihre Farbe wechselte. Sie murmelte leise etwas vor sich hin und in der Weihnachtskugel erschien Little Baby.

Little Baby wirkte größer und fitter. Sie rief: „Hey Abebi, hey Abiola – hier ist eure Schwester Little Baby. Grämt euch nicht um mich, mir geht es hier hinter der Regenbogenbrücke gut. Ich habe keine Schmerzen mehr, leide nicht an Hunger, Durst oder Kälte. Auch habe ich viele neue Freunde gefunden und einen ganz besonders lieben Menschen. Sie heißt Kerstin und hat den Verein damals mitgegründet und zu dem gemacht, was er heute ist. Sie ist etwas ganz besonderes und ihr Lebenswerk lebt in uns allen weiter. Bitte gebt eure Hoffnung nicht auf. Ich bin mir sicher, ihr habt noch ein schönes langes Leben auf der Erde bei ganz tollen Menschen vor euch. Und in 20 Jahren sehen wir uns dann gemeinsam hier an der Regenbogenbrücke und ich zeige euch alles. Aber bis dahin, seid doch bitte weiterhin so fröhlich, verspielt und unbekümmert wie im Sommer. Tut es für mich, denkt an unsere gemeinsame schöne Zeit, auch wenn wir nur kurz zusammen waren. Es wird alles gut. Davon bin ich überzeugt und davon, dass eure Familie euch auch bald sehen und finden wird. Das neue Jahr wird gut starten.“

Langsam verschwamm Little Baby und die Kugel nahm wieder ihre grüne Farbe an. Abebi, Abiola, Sean und Anela waren ganz ergriffen und stumm. Little Baby zu hören und ihre energiegeladene, hoffnungsfrohe Stimme war eine schöne Überraschung gewesen.

Abiola flüsterte: „Sie hat recht. Wir sind so undankbar gewesen. Wir sollten unsere Chance nutzen.“ Abebi nickte, noch immer ganz verzückt und ergriffen, seine Schwester gehört zu haben.

Anela und Sean kuschelten noch sehr lange mit den beiden süßen Kätzchen. Zum Schluss gab es auch noch eine wilde Spieleinheit, so dass es allen ganz warm wurde. Doch schließlich mussten sie sich auch von Abebi und Abiola verabschieden.

Anela fiel das sichtlich schwer und man merkte, sie wäre gerne noch länger geblieben. Doch weitere Katzenschicksale warteten und wollten erzählt werden. Daher umarmten Sean und Anela die Kleinen noch einmal ganz feste, riefen laut „Frohe Weihnachten“ ehe sie wieder mit einem leisen Klirren verschwanden.

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